
Auf der Suche nach einem preisgünstigen Mischquirl kam ich über Umwege an einen Limex Betonmischer, der offensichlich schon bessere Tage gesehen hatte. Die Farbe vergilbt, der Rost an beinahe jedem Bauteil erkennbar und die Trommel machte beim Durchdrehen furchtbare Geräusche. Um das billige Glück zu komplettieren verbargen sich im Inneren noch gut 15 kg hart geworder Beton – aber zumindest funktionierte auf Antrieb auf Anhieb noch, was ich nicht von all meinen Gebrauchtkäufen sagen kann.
Tragischer Reifenverlust


Schon auf den wenigen Metern von der Garage des Vorbesitzers in meinen Hänger sah ich mich mit dem nächsten Problem konfrontiert: Während der Fahrt purzelten beide Räder von der Achse. Ursprünglich mittels Endkappen gehalten, gab es aktuell nichts mehr, was sie an Ort und Stelle hielt. Erstmal ohne Reifen verladen und in die Werkstatt gebracht.
Nach kurzer Überlegung fiel die Wahl auf eine Quick-and-Dirty-Lösung: Eine Unterlegscheibe wurde passend aufgebohrt und mittels dreier Heftpunkte dauerhaft auf der Achse fixiert. Nicht schön, aber da man die Räder eines Mischers nur selten wechselt, ein gangbarer Weg. Auf dem zweiten Bildist die neue Sicherungsscheibe unter der Beton-Beschichtung nur noch zu erahnen…
Im Kampf gegen den Rost


Als Nächstes ging es den völlig fertigen Trommellagern an den Kragen. Da der hintere Dichtstopfen wohl schon länger fehlte, sammelte sich dank Freilandhaltung stets reichlich Regenwasser auf dem oberen Kugellager, um anschließend gemächlich durch die beiden Wälzlager hindurch abzufließen. Dass die Lager ohnehin nicht von beste Qualität waren (Kroaten sind für vieles bekannt, aber nicht gerade für hochfeste Kugellager) und in ihrem Leben auf dem Bau schon so einiges erdulden mussten, zeigte sich bei näherem Hinsehen sehr deutlich.

Durch den Rost saß das obere RiKuLa derart fest, dass sich die Trommel dazu entschieden hatte, sich lieber im Innenring zu drehen, als das rostige Lager in Bewegung zu setzen. Immerhin blieb mir so eine aufwendige Demontage erspart, nach dem Lösen des Seegerings fiel mir die Trommel beinahe schon entgegen. Die braunen Reste waren mit zwei oder drei Hammerschlägen schnell aus der Aufnahme entfernt.


Nicht so jedoch beim unteren Lager. Hier war der Lagerinnenring dermaßen auf der Welle fest gerostet, dass beim Versuch, das Lager mit dem Abzieher und dem vorgeschriebenen Drehmoment von 70 Newtonmetern der Meterverlängerung sowie viel Gewalt abzuziehen, der Außenkäfig einfach platzte. Wie so häufig, wenn nur noch der Innenring auf der Welle verbleibt, schlitze ich diese anschließend mit der Flex und einer dünnen Trennscheibe tief ein, so dass anschließend wenige Schläge mit dem Meißel den spröden Lagerstahl bringen lassen.
Gott gebe, dass es klebe
Aber was zerlegt wurde, muss auch wieder zusammen. Während sich die Welle und das Gehäuse mit Schleifpapier und WD-40 optisch schnell wieder auf akzeptablen Stand bringen ließen, stellt sich für den geneigten Leser die Frage, wie man Kugellager auf einer nun untermaßigen Welle wieder ans Halten bekommt.
Die Antwort hierauf ist bei mir in vielen Fällen ein Hybrid-Verfahren: Wie schon in Zeiten, in denen es noch keine Spezialkleber gab, wird zunächst der Lagersitz mit dem Körner „aufgekörnt“. Das heißt, man schlägt mit dem Körner bewusst viele kleine Dellen ins Material, um Aufwerfungen zu schaffen. Rundherum erledigt, wächst der Lagersitz meist wieder so weit an, dass das Lager wieder Halt findet.

Da aber zwischen bloßem Halten und viel Kraft aufnehmen unter Umständen Welten liegen und sich das Ergebnis ja bei so mancher Anwendung nur schlecht kontrollieren lässt, kommt der Flaschengeist namens Loctite 648 „Welle-Nabe“ zum Einsatz. Ein Metallkleber, der unter anaeroben Bedingungen (also Sauerstoffabschluss) aushärtet und Metalle bombenfest verbindet.
Die Kunst der Anwendung besteht allerdings darin, die Menge so zu dosieren, dass endfest verklebt ist, gleichzeitig aber kein Kleber austritt – schon ein Tropfen davon, der ins Innere des Kugellagers läuft, macht das teure Markenprodukt quasi sofort reif für die Schrottkiste. Zudem muss man zügig arbeiten und wissen, was man tut: Hat man das neue Lager erst einmal in Stellung gebracht und die ersten Millimeter in den Lagersitz gedrückt, bleiben einem nur wenige Augenblicke, bis der Kleber beginnt anzuziehen und sich ohne rohe Gewalt gar nichts mehr tut.
Zur Freude der Hobbykasse kostet das Produkt aus dem Hause Henkel sagenhafte 1000 €/Liter (kein Scherz!). Glücklicherweise braucht man von dem grünen Zaubertrank aber meistens nur wenige Tropfen um einen defekten Lagersitz instand zu setzen, oder sich den Arbeitstag zu versauen, je nachdem!
Ersatzteile aus dem 3D-Drucker



Da der untere Schutzdeckel schon vor der Demontage nicht mehr gut aussah und nach dem Kampf gegen den Abzieher endgültig nicht mehr zu gebrauchen war, musste Ersatz her. Praktischerweise gab es auch für die Rückseite keine passenden Blindstopfen zu kaufen, oder wenn waren diese so teuer, dass ich davon bald einen neuen gebrauchten Mischer hätte kaufen können. Also den 3D-Drucker angefeuert und beides ausgedruckt. Der eine schützt im Betrieb das vordere Lager vor Wasser und Beton, die die Trommel herunterlaufen, der andere bei Stillstand das hintere vor Regenwasser. Eine umlaufende Naht mit Silikondichtmasse sorgt gleichermaßen für Verklebung als auch die nötige Dichtigkeit. Zudem bringen die nun verbauten 2-RS-Kugellager mit beidseitigen Dichtlippen ohnehin eine höhere Dichtigkeit mit sich – hier sollte man nicht die letzten Cents gegenüber den billigeren ZZ-Blechscheiben oder offenen Kugellagern sparen.
Einziehen statt hämmern



Leider handelt es sich bei der Mischerkonstruktion um einen Fall, bei dem das Lager zunächst auf der (Trommel-)Welle vormontiert werden muss, um anschließend den Außenring in seinen Sitz zu befördern. Diese Art der Montage birgt immer die Gefahr, dass Lager bereits durch die Montage zu beschädigen. Denn die Kugeln müssen während des Einziehens die gesamte Kraft übertragen und hinterlassen nicht selten bereits bleibenden Eindruck im Außenring, noch bevor dieser an seiner endgültigen Position angelangt ist.
Um mir und dem Lager das Leben so einfach wie möglich zu machen, wurde daher kurzerhand ein M8-Gewinde in den Lagerzapfen geschnitten, sodass das untere Trommellager mittels einer Gewindestange und einem Quadratrohr als Widerlager in den Rahmen eingezogen werden konnte.
Noch misslicher als der erste Lagersitz war der hintere, Zweite. Denn hier musste nun das Lager gleichzeitig sowohl innen als auch außen in seine Endlage befördert werden. Mittels eines passenden Montagewerkzeugs aus POM glücklicherweise kein großer Akt, aber diese Annehmlichkeiten hat freilich nicht jeder Betonmischer-Servicewichtel und zudem gerät diese Art der Montage bei engen Lagersitzen oder gestauchten Wellen/Gehäusen auch schnell an ihre Grenzen.
Keep rolling!

Nachdem die Mission „Trommellager“ erfolgreich abgeschlossen war und ich die Wartezeit bis zum Eintreffen der Wälzlager dazu genutzt hatte, um die verbliebenen Betonreste aus der Trommel zu stemmen, war es nun an der Zeit für Probelauf.
Nach dem Betätigen des Startknopfes setzte der Elektromotor die Trommel knirschend in Bewegung; yay, er dreht wieder! Nachdem einige Runden später noch weitere Betonreste aus dem Zahnkranz heraus gemahlen waren, wurde das Laufgeräusch noch ein wenig besser.
Kurz darauf stand auch schon der erste Produktiv-Einsatz für die Beton-Union® an, bei der an einem Samstagnachmittag ein Kubikmeter Material seinen Weg durch die Mischertrommel und die vorbereiteten Schaltbretter fand. Mission erledigt, jetzt wird betoniert!
Top gemacht.